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Wie ein Wandertag friedlich wurde

Eine Lehrerin an einem Berliner Gymnasium probiert das Systemische Konsensieren® mit ihrer Klasse aus: erst beim Wandertag, dann im Unterricht. Was sie beobachtet hat und was sie anderen Lehrkräften rät, können Sie hier erfahren.
Aus einem Video-Erfahrungsbericht von Grit, Lehrerin an einem Berliner Gymnasium
Igeln an Ihrer Schule

Der Wandertag · 1:12 · mit Untertiteln
Grit ist Lehrerin an einem Berliner Gymnasium. Beteiligung bei Entscheidungen ist ihr wichtig geworden: im Arbeitsleben, im persönlichen Umfeld und besonders mit Kindern und Jugendlichen in der Schule. Deshalb hat sie das Systemische Konsensieren kennengelernt und mit ihren Klassen ausprobiert.
In einem kurzen Video erzählt sie, was sie dabei beobachtet hat: von der ersten Entscheidung über einen Wandertag bis zu der Frage, was das Konsensieren für den Unterricht bedeuten kann.
„… dass wir dadurch einen total friedlichen Wandertag hatten.“

Der erste Versuch: der Wandertag

Angefangen hat sie ganz einfach. In 14 Tagen stand ein gemeinsamer Wandertag an, und die Klasse sollte überlegen, wohin es geht. Die Vorschläge kamen aus der Klasse, dann wurden sie bewertet: Wie viel Widerstand hat jede und jeder gegen einen Vorschlag? Am Ende stand ein gemeinsames Ziel.
Grit beobachtete zweierlei. Die Kinder fanden es toll, sich selbst beteiligen und eigene Vorschläge machen zu können. Und weil die Widerstände abgefragt wurden, wurde es ein friedlicher Wandertag. Vielleicht nicht durch die eine Entscheidung, aber mit der Zeit, so ihr Eindruck, wurde das ganze Klassenklima angenehmer und friedlicher.

Ins kalte Wasser

Fünf- oder sechsmal hat Grit seitdem mit der Klasse konsensiert, zum Beispiel am Ende des Schuljahres, als es darum ging, die letzten Tage gemeinsam zu gestalten. Eine lange Einführung gab es nicht: Sie hat die Klasse ins kalte Wasser geworfen und es einfach angewendet.
Oft hat sie dabei mit acceptify gearbeitet, einem digitalen Werkzeug fürs Konsensieren, das nah an den Jugendlichen dran ist. Ihre Beobachtung: Die Klasse geht bereitwillig und mit Freude damit um, anders als bei Mehrheitsentscheidungen, bei denen an der Tafel Kreuze oder Strichlisten gesammelt werden.

Wenn Bedenken gehört werden

Für Grit liegt hier ein Schlüssel zu einem friedlicheren Miteinander: Jugendliche, die Bedenken haben, kommen zu Wort, auch wenn es in der Klasse ein, zwei, drei Laute gibt, die sonst das Sagen haben. Und wenn Bedenken ausgesprochen werden dürfen, können sie im Gespräch auch abgebaut werden.

Bedenken werden gehört · 0:49 · mit Untertiteln

Mehr als ein Wandertag

Grit sieht im Systemischen Konsensieren auch eine Chance für den Unterricht: Lernprozesse können partizipativer werden, und selbstgesteuertes Lernen bekommt mehr Raum. Die Gruppe überlegt selbst, was der nächste Schritt ist, und entscheidet ihn auch.
Damit ändert sich die Rolle der Lehrkraft: weg vom Bild, Wissen per Trichter in die Köpfe zu füllen, hin zum Moderieren und Begleiten. Für Grit hat das Konsensieren hier „ganz viel Potenzial“.

Ihr Tipp: mit Bausteinen anfangen

Lehrkräften, die sich noch nicht ganz trauen, rät sie: im Seminar Sicherheit und den theoretischen Hintergrund holen, im geschützten Rahmen üben, dann ausprobieren. Sie selbst hat am Anfang viel gesteuert und zum Beispiel die Vorschläge vorgegeben. Schritt für Schritt bewegt man sich dann vom sicheren Podest weg, probiert aus, reflektiert und verändert beim nächsten Mal etwas.

Tipps für Lehrkräfte · 0:45 · mit Untertiteln
Steckbrief
Wer
Grit, Lehrerin
Wo
Gymnasium in Berlin
Wie oft
fünf- bis sechsmal in einer Klasse
Womit
Handzeichen der Widerstände, oft digital mit acceptify
Tipp
Am Anfang darf man steuern
Geben Sie die Vorschläge zunächst selbst vor und lassen Sie die Klasse nur bewerten. Mehr Beteiligung kommt mit der Übung.
„… nicht davon ausgeht, dass beim ersten Mal alles perfekt sein muss.“
Grit über den Anfang

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