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Igelgeschichte
Kindergarten
2½ bis 6 Jahre

Da sträubt sich was!

Wie ein Igel hilft, Entscheidungen zu treffen: Erzieherin Kerstin Weislmeier führt bei den Sternenkindern das Igeln ein – und erlebt, wie gerade die Leisen und Jüngeren eine Stimme bekommen.
Nach einem Gespräch zwischen Kerstin Weislmeier und Adela Hurtado Mahling, erschienen in Betrifft KINDER 03-04/2018
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Gezeichneter Igel, der alle Stacheln aufstellt
Draußentag bei den Sternenkindern: Die Kinder dürfen selbst entscheiden, wohin es geht. Gar nicht einfach in einer altersgemischten Gruppe von zweieinhalb bis sechs Jahren. Kerstin, die Erzieherin, sammelt die Ideen und malt für jede ein kleines Bild: den Fluss, den Wald, den großen und den kleinen Spielplatz.

Wer ist für den Wald?

Bisher hat Kerstin abstimmen lassen und die Hände gezählt. Vier Kinder waren zum Beispiel für den Wald, drei für den großen Spielplatz, drei für den Fluss und zwei für den kleinen Spielplatz. Also gewannen vier Kinder und acht verloren. Außerdem fiel ihr auf, dass Adams Hand oft hochging, sobald Florian dafür war. Und der kleine Hans wirkte vom lautstarken Werben der anderen oft so überwältigt, dass er gar nicht sagte, was er selbst wollte.

Der Igel stellt seine Stacheln auf

Heute macht Kerstin es anders. Sie erzählt vom Igel: ein friedliches Tier, aber wenn er etwas nicht mag, stellt er seine Stacheln auf – und wenn es ganz arg wird, stehen alle Stacheln weit ab. Die Kinder verstehen das sofort. Zu jedem Bild legt Kerstin ein Steckbrett. Dann fragt sie jedes Kind einzeln: Wie würde dein Igel seine Stacheln aufstellen, wenn wir dorthin gehen? Eine Hand vor heißt ein paar Stacheln, beide Hände weit gespreizt alle Stacheln, Hände an die Brust: Da geht es meinem Igel gut. Für jede Hand steckt sie ein Stäbchen ins Brett.
Am Ende ist klar: Beim großen Spielplatz haben sich die wenigsten Stacheln aufgestellt. Damit ist die Igelfamilie am zufriedensten. Los geht’s.

Auf den eigenen Igel hören

Beim nächsten Mal schaut Adam erst unsicher zu Florian. Doch Kerstin ermuntert ihn, auf seinen eigenen Igel zu hören – und nach kurzem Zögern zeigt er seine Stacheln selbst. Beim vierten Mal wissen alle, wie es geht, und Kerstin fragt die ganze Gruppe gleichzeitig.

Elisa und das Pinguinbuch

Elisa will unbedingt das Pinguinbuch hören und zeigt bei allen anderen Büchern beide Hände – sogar ihre Freundin überredet sie dazu. Das Ergebnis: Das Feuerwehrbuch, das sie gar nicht mag, gewinnt. Elisa ist frustriert und weint. Kerstin tröstet sie und vertraut darauf, dass sich strategisches Bewerten mit der Zeit von selbst erledigt.

Erst Hof, dann Streichelzoo

Beim fünften Igeln holen die Kinder die Steckbretter schon selbst. Elisa möchte in den Innenhof und an ihrer Sandburg weiterbauen, die anderen Igel sind beim Streichelzoo am wenigsten stachelig. Diesmal versucht Elisa es anders: „Können wir nicht erst ein bisschen im Hof spielen?“ Kerstin malt ein neues Bild – und der kombinierte Vorschlag bekommt weniger Stacheln als jeder andere.

Igeln heißt eigentlich Systemisches Konsensieren

Was Kerstin Weislmeier als „Igeln“ einführte, heißt bei Erwachsenen Systemisches Konsensieren. „Manche probierten strategisch zu bewerten. Doch sie merkten, dass dies auch nach hinten losgehen kann. Rücksicht und Geduld schlichen sich ein, ohne dass ich dazu etwas sagen musste“, sagt sie. Statt Schnelligkeit und Lautstärke zählen jetzt kreative Vorschläge: Was können wir tun, das dir und mir Spaß macht?
Den ganzen Artikel aus Betrifft KINDER finden Sie im PDF.
Steckbrief
Wer
die Sternenkinder und Erzieherin Kerstin Weislmeier
Wo
eine Kindertageseinrichtung in Wendelstein
Alter
2½ bis 6 Jahre, altersgemischt
Hilfsmittel
Steckbretter und selbstgemalte Bildkarten
Tipp
Taktieren hört von selbst auf
Wenn ein Kind strategisch bewertet, greifen Sie nicht ein. Beim nächsten Igeln merkt es meist von selbst, dass sich das nicht lohnt.
„Sie werden gestärkt, zu sich zu stehen, und bekommen das Gefühl vermittelt, dass ihr Nein zählt.“
Kerstin Weislmeier über die schüchternen und jüngeren Kinder

Sie igeln schon?

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